Wohlrabs Schankwirtschaft

Gaststätte „Zur Friedenseiche“
vormals „Wohlrabs Schankwirtschaft“

Die Geschichte der Gaststätte „Zur Friedenseiche“ lässt sich bis ins Jahr 1879 zurückverfolgen. Am 30. April 1879 wurden aus dem Flurstück Nr. 1 der Gemeinde Jößnitz, dem sogenannten Dorfanger, die Parzellen 1a und 1b herausgegliedert.
Das Flurstück 1b erwarb Karl Friedrich Wohlrab. Vermutlich um 1880 errichtete er darauf die später als „Wolhlrabs Schankwirtschaft“ bekannte Gaststätte. Ein entsprechender Hinweis findet sich in einer Bauveränderungsanzeige der Lutherkirche Jößnitz. Nachweislich ließ Wohlrab im Jahr 1892 ein weiteres Hintergebäude errichten. Zum Anwesen gehörte außerdem eine Kegelbahn im Hof, die das gastronomische Angebot ergänzte.
Das Gebäude vereinte von Beginn an verschiedene Nutzungen. Im Erdgeschoss befanden sich die Gaststube sowie ein Laden. Im Obergeschoss lagen der Saal und die Wohnung der Wirtsleute. Die Gaststätte war damit nicht nur ein Ort zum Einkehren, sondern entwickelte sich auch zu einem wichtigen Treffpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Jößnitz.
Wann und aus welchem Anlass aus „Wohlrabs Schankwirtschaft“ schließlich die „Zur Friedenseiche“ wurde, ist heute nicht mehr genau überliefert. Hier besteht noch eine Lücke in der Ortsgeschichte – vielleicht können ältere Jößnitzer Familien oder historische Unterlagen künftig zur Klärung beitragen.
Nachdem das erste Wirtshaus von Jößnitz geschlossen worden war, fanden in der Friedenseiche regelmäßig die Versammlungen der Freiwilligen Feuerwehr Jößnitz statt. Auch der große Saal erhielt im Laufe der Zeit unterschiedliche Funktionen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Zahl der Kinder in Jößnitz stark angestiegen war und entsprechende Räumlichkeiten fehlten, wurde er zeitweise als Behelfsunterrichtsraum für die Schule genutzt. Hinweise darauf finden sich unter anderem in der Festschrift zum Heimatfest 1956 sowie in der Festschrift „700 Jahre Jößnitz“.
Zu den früheren Betreibern gehörte auch die Familie Ziller. Der genaue Zeitraum, in dem sie die Friedenseiche bewirtschaftete, ist nach den vorliegenden Aufzeichnungen allerdings nicht bekannt.
Ab 1963 waren Walter und Elly Schmelzenbach die Wirtsleute der Friedenseiche. Gleichzeitig betrieben sie den angeschlossenen HO-Lebensmittelladen. Damit blieb das Haus weiterhin sowohl gastronomischer Treffpunkt als auch eine wichtige Einkaufsmöglichkeit für die Einwohner des Ortes.
Im Jahr 1976 übernahmen ihre Tochter Maria Kropp und deren Ehemann Jürgen Kropp die Friedenseiche samt Laden und führten den Betrieb weiter.
Mit der politischen und wirtschaftlichen Wende ab 1990 änderten sich auch in Jößnitz die Einkaufsgewohnheiten. Größere Supermärkte übernahmen zunehmend die Versorgung mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Für die kleinen Geschäfte im Ort bedeutete dies einen tiefgreifenden Wandel.
Die eigentliche Gaststätte „Zur Friedenseiche“ wurde 1990 geschlossen. Die Familie Kropp nutzte Teile des Gebäudes jedoch weiter. Von 1990 bis 1996 wurde dort ein Quelle-Laden betrieben. Im Jahr 1996 endete schließlich auch der Betrieb des Lebensmittelladens.
Doch das Gebäude erhielt erneut eine neue Nutzung: Von 1996 bis 2010 wurde der ehemalige Lebensmittelladen als Imbissstube betrieben. Die rege Bautätigkeit in Jößnitz und der näheren Umgebung dürfte für einen solchen Imbiss zu dieser Zeit gute Voraussetzungen geboten haben.
Eine weitere gewerbliche Nutzung folgte ab 2003. Bis 2011 befand sich in den Räumen ein Second-Hand-Laden „Little Maxx“, der nach den vorliegenden Aufzeichnungen mit Gabriela Golle verbunden war. Danach endete auch diese Nutzung.
Damit blickt die Friedenseiche auf eine über viele Jahrzehnte wechselvolle Geschichte zurück: Gaststätte, Lebensmittelgeschäft, Versammlungsort, Unterrichtsraum, Quelle-Laden, Imbiss und Second-Hand-Geschäft fanden hier zu unterschiedlichen Zeiten ihren Platz.
Auch wenn heute keine Gastwirtschaft mehr betrieben wird, ist das Gebäude der ehemaligen „Friedenseiche“ bis heute ein ortsbildprägender Bestandteil des alten Jößnitzer Dorfkerns und erinnert an ein Stück lebendiger Orts- und Alltagsgeschichte.

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