Die Alte Schule in Jößnitz

Von der einklassigen Dorfschule zur zehnklassigen polyteschnischen Oberschule zur Ganztagsschule zur Ganztagsschule im Grundschulbereich


Aus dem Studium der alten Schulakten und anderer Dokumente lässt sich die Entwicklung unserer Schule in Jößnitz sehr deutlich, wenn auch nicht immer lückenlos nachvollziehen.

Überall auf dem Land kam es im 16. Jahrhundert und zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu Schulgründungen. Durch Verordnungen der Landesherren und der Kirche kam es zur Einführung einer obligatorischen Dorfschule. Erst die „Erneuerte Schulordnung“ von 1773 forderte die Schaffung eines gesonderten Schulzimmers. Vorher waren das Klassenzimmer die Lehrerwohnung ein Raum, so das es oft zu Störungen durch die Lehrerfamilie kam.

Die Schule war eine Einrichtung der Kirche und diente der religiösen und sittlichen Bildung der Jugend. Der Schulmeister, als kirchlicher Angestellter, gehörte neben dem Pfarrer zur Geistlichkeit. Für seine Arbeit erhielt er ein Kirchschullehen Dieses gehörte zum Kirchenvermögen und wurde ihm für seine Dienste zur Nutzung überlassen. Der Schulmeister erhielt so eine Wohnung, aber auch Felder und Wiesen. Diese durfte er mit Genehmigung seiner Vorgesetzten verpachten.  Meist war der Dorfschullehrer auch Kantor.

Aus dem Jößnitzer Kirchenbuch ist zu erfahren, dass der erste Jößnitzer Lehrer Paul Haßler, geboren wohl 1568 in Falkenstein - als Sohn des Schulmeisters Paul Haßler- von 1612 bis zum Tod 1625 war. Bis 1931 kann man die Reihenfolge der Dorfschullehrer dort nachverfolgen.

Unterweisungen von zwei bis drei Stunden in der Woche reichten zur Vermittlung eines Minimums an Lese- und Schreibkenntnissen nicht mehr aus und mit dem Übergang zum täglichen Unterricht wurden Naturgeschichte, Naturkunde, Formlehre (Grammatik, Deklination, Konjugation) und für Mädchen Handarbeit in den Stundenplan aufgenommen.

Die Bauern waren anfangs an der neuen Schule wenig interessiert. Einmal mussten sie mehr Abgaben für die Schule und den Lehrer zahlen und zum anderen mussten sie täglich mehr Zeit auf ihre Kinder als Arbeitskraft verzichten. Das Einkommen der Lehrer war meist sehr gering. Das Schulgeld der Kinder betrug 10 Pfennige wöchentlich und wurde 1890 auf 40 Pfennige erhöht. Dadurch war die Ausstattung der Schule nicht umfangreich.

Nach den Kirchenarchivunterlagen befand sich 1734 das „Schulhaus“ in unmittelbarer Nähe der Kirche.

1831 erbaute man die „Alte Schule“ mit Lehrerwohnung neben der Kirche. Aufgrund der Baufälligkeit und wegen des Platzmangels entschloss man sich zum Bau der „Neuen Schule“ oberhalb der Kirche mit einem Klassenzimmer von 6 x 10 m Grundfläche und eine dazugehörigen Lehrerwohnung. Am 08.04.1902 konnte sie feierlich eingeweiht werden. Das Gebäude sollte später um zwei bis vier Klassenzimmer erweitert werden. Das alte Gebäude wurde stillgelegt.

Gehen 1901 noch 145 Kinder in Jößnitz zur Schule, so sind es 1907 bereits 173 Schulpflichtige.  Schon Ostern 1903 wird mit der Einstellung eines Hilfslehrers die „Alte Schule“ als Wohnung für den Lehrer und die Nutzung des alten Raumes wieder in Betrieb genommen, die Frequenz von 3 auf 4 Klassen erweiter

Eine für 1911 geplante Erweiterung der Schule wurde aus Geldmangel nie vorgenommen. Mehrere Hilfslehrer starben im 1. Weltkrieg. In den folgenden Jahren sinken die Schülerzahlen, so dass 1925 die Schule wieder dreistufig geführt wurde. Den Unterricht erteilen zwei ständige Lehrer und ein Pendellehrer zwischen Steinsdorf, Jößnitz und Reißig.  Als 1928 die Schülerzahl auf 97 anstieg, war die Einrichtung einer 3. ständigen Lehrerstelle gegeben. Um diese Zeit bestand auch die Möglichkeit, die Wochenstundenzahl der wenig gegliederten Landschulen zu erhöhen.

Diese konnte wegen der nur zwei bestehenden Klassenzimmern  nicht durchgeführt werden. Als 1928 für die Mädchenklasse der Berufsschule eine Schulküche eingerichtet werden musste, wurde wiederum der finanziell leichtere aber für die Schule nachteiligere Weg gegangen. Durch den Umbau von Hausflur und Treppenhaus der „Neuen Schule“ und die Verlegung des Eingangs entstand eine kleine Schulküche mit kaltem Steinfußboden. Ein Teil der Mädchen wurde aus Platzmangel auf dem Hausflur oder im Hof beschäftigt.

Durch die Weimarer Republik wurden die Schulen und Lehrer nicht mehr mit dem Schulgeld der Kinder, sondern mit Steuereinnahmen finanziert und somit war die Anschaffung zahlreicher Lehrmittel möglich.

Für die Vorbereitung des 2. Weltkrieges musste 1 Tag in der Woche unterrichtsfrei gehalten werden. Lehrer wurden zum Kriegsdienst eingezogen und fielen. Mit Kriegsende kam der Schulbetrieb völlig zum Erliegen. Als kurz darauf der Schulbetrieb wieder aufgenommen wurde, verbot die amerikanische Besatzung diesen.

Am 08. Oktober 1945 nahm man den Schulbetrieb in zwei Klassenzimmern, mit einigen Karten und Bildern, einigen primitiven naturwissenschaftlichen Lehrmitteln und ausgestopften Tieren auf. Da vorher tätige Lehrer ihren Beruf wegen der Gesinnung aufgeben mussten, begannen „Neulehrer“ ihre Arbeit. Man nahm anfangs den Schulbetrieb mit 4 Lehrern und einem Schulleiter mit 311 Schülern siebenstufig auf. Da trotz der geringen Stundenzahl die Klassenzimmer nicht mehr ausreichten, wurde ein Behelfszimmer im Gasthof „Friedenseiche“ eingerichtet. Die erste Schulspeisung in Form eines trockenen dunklen 50-gr.-Brötchens wurde eingeführt.

1947 wurden durch den Umbau des Schlosses 4 neue Klassenzimmer gewonnen. In den nun 6 vorhandenen Klassenzimmern wurden von 1947 bis 1949 11 Klassen unterrichtet. Die Schule war damals achtstufig und hatte 1948/49 358 Schüler, die von 12 vollbeschäftigten Lehrern unterrichtet wurden. Auch die Lehrerwohnung in der „Neuen Schule“ musste zu 2 Klassenzimmern umgebaut werden.

Ab 1954 begann man den Aufbau der allgemeinbildende polytechnische Oberschule.

Neben den Fächern wie Biologie, Physik und Chemie führte  man 1959 den „Unterricht in der technischen Produktion“ im 7. und 8. Schuljahr ein. Schüler arbeiteten im VEB Mitteldeutsche Spinnhütte oder in den Ställen oder auf den Feldern der LPG „Hohe Warte“. Die Vorbereitung dazu erfolgte in den unteren Klassen durch Werken und Schulgarten.

Zur Verbesserung der außerunterrichtlichen Betreuung wurde am 01.09.1960 in den Räumen des ehemaligen „Cafe Badstübner“ ein Schulhort mit Schulspeisung eröffnet.

Erst 1975 konnte ein neuer Schulbau geschaffen werden. Damit war die Erweiterung der 9. und 10. Klassenstufe, zur Ablegung der mittleren Reife, möglich.

Die Kinder sind bei den „Jungen Pionieren“ oder der „Freien Deutschen Jugend“ organisiert. Die Kinder haben die Möglichkeit über die Arbeitsstätten der Eltern in ein „Ferienlager“ für 2 oder 3 Wochen zu fahren und nehmen in der 8. Klasse an der „Jugendweihe“  oder in der 9. Klasse an der Konfirmation teil.

Die Schule konnte im Jahre 2011 saniert werden. Die Rekonstruktion ermöglichte die Arbeit als Ganztagsschule im Grundschulbereich. Durch die Erweiterung des Schulsprengels nach der Eingemeindung nach Plauen, auf die Bereiche Reißig und Preißelpöhl besuchen heute …… Kinder die Schule und den im  Gebäude untergebrachten Hort, in dem   …..Kinder  betreut werden.


Quellen: Erstes Heimatfest Jößnitz 1956

700 Jahre Jößnitz  1963, Dorfchronik Jößnitz 1997

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