Schloß Jößnitz

Das Wahrzeichen des Ortes

Das Schloss, eine über 700 Jahres alte (burgähnliche) Schlossanlage, wird als Hotel und Gaststätte betrieben. Das als Wahrzeichen des Ortes geltende Anwesen wurde mit erheblichem Aufwand saniert. Umgeben ist das Schloss von einem attraktiven Park, Begegnungs- und Erholungsstätte zugleich, mit seinem Teich, aus dem ein Springbrunnen imposant mit verschiedenen Fontänen sprudelt. Durch die dort aufgestellte Schutzhütte, ist der Besuch auch bei Schauerwetter gut möglich. Sie ist mit Spielzeugen ausgestattet. Ruhe und Entspannung sind hier vor allem in den Abendstunden zu finden.

Das Schloss ist seit langer Zeit das Wahrzeichen unseres Ortes. Es ist ein regionalgeschichtlich bedeutendes Denkmal. Es wirkt dorfprägend und ist von allen Seiten gut sichtbar, weil es sich an topographisch hervorragender Stelle befindet. Es tut diesem „Schlösschen“ überhaupt keinen Abbruch, wenn es genau betrachtet nur der kleine Rest des ehemaligen Schlosses ist. Schon dem Verfall preisgegeben ist es heute ein bemerkenswertes Zeichen für Initiative, Bürgerfleiß und Bürgersinn in den ersten Jahren des wiedervereinigten Deutschland.
Zur Historie sei daran erinnert, dass das Dorf Jezenicz im Jahre 1263 und der Herrensitz 1282 erstmals urkundlich genannt wurden. Zu dieser Zeit war das slawische Dorf bereits von den deutschen Kolonisten übersiedelt und durch Rodung erweitert. In der Folge wechselt der Herrensitz mehrfach die Besitzer. 1530 kommt er an die Familie von Watzdorf, bei der er bis 1842 verblieb. Bedeutsam in deutscher Geschichte ist, dass 1830 der Kammerherr Otto von Watzdorf als einziger Vertreter des vogtländischen Adels auf seinem Rittergut die Frondienste aufhob und sich in den Jahren 1848/49 als Abgeordneter des Frankfurter Parlaments mit, wenn damals auch noch vergeblich, um das Entstehen eines einheitlichen und demokratischen deutschen Staates bemühte.
Die Gemeinde Jößnitz erwarb 1939 das „Schloss“ und das Parkgelände.

Die Gesamtanlage dieser Liegenschaft erstreckt sich über ein Areal von ca. 150 m Länge und bis zu 50 m Breite in etwa ost - westlicher Richtung.
Während sich das Rittergut in östliche Richtung auf der Plateaufläche befindet, liegt der ehemalige Burgbereich auf dem westlich steil abfallenden Felssporn, der sich nasenartig verengt und nochmals ca. 3-4 m über das Hofniveau des Gutes ansteigt.
Auf der Spornspitze erhob sich innerhalb einer Mauerumwehrung die Kernburg als Einhausburg, abgeriegelt durch einen Halsgraben. Davor befand sich das 1860 abgebrochene Schloss, wohl die ehemalige Vorburg, die den Gebäudeverhältnissen nach zu urteilen wiederum einen Halsgraben besaß. Die Halsgräben sind heute vollständig verschüttet.
Das eigentliche Schloss war ein mächtiger Querbau mit Renaissance-Erkern, Treppenturm, zwerchhausartigen Vorbauten mit Dachreiter.

Für das alte Burghaus kam im 19. Jahrhundert die Bezeichnung „Jägerhaus“ auf, da es infolge Verpachtung des Gutes anderweitig genutzt wurde und auf Grund seiner baulichen Eigenart wenig zu repräsentativen Wohnzwecken geeignet war. Durch mehrfache Umnutzung blieb dieses Gebäude bis in die Gegenwart erhalten.
Seine Baugeschichte ist in groben Zügen am Gebäude selbst ablesbar.
Der etwas vom Rechteck abweichende Grundriss von etwa 10,5 Meter Breite und 17 Meter Länge stellt eine für Herrensitze bis ins 17. Jahrhundert typische Baugröße dar. Der Vergleich mit ähnlichen Anlagen lässt die Definition als mittelalterlichen Wehrbau gerechtfertigt erscheinen, so dass eine Datierung ins 13. Jahrhundert angenommen werden kann.
Unter dem westlichen Gebäudebereich befindet sich ein Tonnengewölbe von 5 x 7 Metern Raumgröße, dessen Eingangsüberwölbung den „Dreiecksbogen“ aus hohen Steinen zeigt, wie er zu gleicher Zeit im Plauener Konventsgebäude und in der Eversteinschen Burg vorkommt.
Das 2. Obergeschoss ist ein vermutlich durch den Wiederaufbau entstandener zweiter Bauabschnitt mit schlichtem, einfachen Fachwerk, sparsamer Konstruktion und Bruchsteinaus- und Hintermauerung. Die bauliche Eigenart deutet ins 17. Jahrhundert. Hierzu passt die Jahreszahl 1643, die an einer Front vorhanden war und die innere Wölbung der Fensterstütze mit nach innen springender Mittelkonsole der Koppelfenster. Die Dachkonstruktion zeigt ein Sparrendach mit liegendem Stuhl, wie es im 18. Jahrhundert üblich war. Dachneigung und Krüppelwalme deuten ebenfalls auf diese Zeit.
Am Ostgiebel befindet sich ein Stein mit Inschrift und Wappen derer von Watzdorf in Form der Renaissance. Er wurde beim Schließen einer dort ursprünglich vorhande-nen Bogenöffnung mit eingesetzt. Die massiven Außenmauern sind aus kleinfor-matigem Bruchsteinmaterial(Diabas) ausgeführt. Die den Hang umziehende Ringmauer besteht aus einer abweichenden Mauerwerksstruktur und dürfte einer nachmittelalterlichen Bauphase angehören. Auf der Nordseite der Mauer sind die Grundmauern eines kleinen Turmes erhalten, der im 19. Jahrhundert noch bestand und einen Abschluss mit geschweifter Haube besaß.
In den Jahren 1939/40 sollte das Haus zu einem Heim für die NSDAP und Hitlerjugend umgebaut werden. Der Krieg vereitelte dieses Vorhaben. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges erfolgte 1946/47 der Ausbau zum Schulhaus nach einer Planung des Jößnitzer Architekten Siegfried Rößler.

Da bereits damals keine Dachinstandsetzung erfolgte, kam es zu Schäden am Gebäude. 1956 löste sich am östlichen Teil der Südwand die äußere Mauerschale. Die Reparatur erfolgte in Ziegelmauerwerk.
Bereits damals zeigten sich Risse an der Nordseite, die durch einen Stützpfeiler gesichert werden sollten. Die Wirkung desselben entfiel durch Abdriften des Pfeilers.
Das Herabstürzen der Dachschiefer gefährdete schließlich so die Schüler, dass das Gebäude 1972 bauaufsichtlich für die weitere Nutzung gesperrt wurde.
Alle weiteren Bemühungen um bauliche Sanierung blieben erfolglos.
Erst seit 1989 entwickelten sich durch den Förderverein Schloss Jößnitz e.V. und die Gemeindeverwaltung neue Aktivitäten, die schließlich zu bauvorbereitenden Maßnahmen, Planungen und zur Beantragung von Fördermitteln führten.

Zu ergänzen ist an dieser Stelle, dass im nordöstlichen Bereich des ehemaligen Schlosses 1897 das später so benannte „Polenhaus“ errichtet wurde. Es diente der Unterbringung von polnischen Arbeitskräften auf den Feldern des Rittergutes. Nach Ende des 2. Weltkrieges fanden im Polenhaus Flüchtlingsfamilien eine vorüberge-hende Bleibe.
In den Jahren 1953/54 wurden im Polenhaus zwei weitere Klassenräume geschaffen, die bis zur Sperrung des Schulbetriebes in der Schlossschule ebenfalls benutzt wurden. Nach Abschluss der Bauarbeiten am Schloss war beabsichtigt, das Polenhaus ebenfalls einer sinnvollen Nutzung zuzuführen.
Hierzu wurden umfangreiche Planungsunterlagen erarbeitet. Diese scheiterten jedoch an den nunmehr erschwerten Finanzierungsmöglichkeiten. Aufgrund des langen Leerstandes verschlechterte sich der Zustand des Gebäudes so drastisch, dass es im Jahr 2000 abgebrochen werden musste.

Schloß Jößnitz - Zahlen und Fakten zur Sanierung

1947-1973 Nutzung als Schulgebäude
1992 Durchführung von Voruntersuchungen zur Beurteilung der Bausubstanz
26.10.1992 Gründung des „ Fördervereins Schloß Jößnitz“
22.12.1994 Sicherung des Dachstuhles vor Einsturz durch Verankerung der beiden Giebel mit Stahlseilen
Januar 1995 Baubeginn der Rohbauarbeiten
09.03.1995 Abbruch des gesamten Fachwerkgeschosses
14.07.1995 Zustimmungserklärung zum Weiterbau durch die Denkmalschutzbehörde Chemnitz, Abbruch des Dachgeschosses
August 1995 Beginn der Abbrucharbeiten, Bergen des Dachstuhles und der Fachwerkhölzer, Bergen der Bruchsteine.
Oktober 1995 Stellen der Fachwerkkonstruktion als weitestgehende Nachbildung des originalen Fachwerkes
15.12.1995 Richtfest
31.03.1996 Kunstmaler Martin Schmidt stellt 26 graphische Blätter und Skizzen zum Schloßbau aus
1996 Setzen der Turmspitze
Oktober 1996 Beginn der Ausbauarbeiten
August/September 1998 Herstellung der Außenanlagen
13.09.1998 Fertigstellung des Schlosses als „Schlosshotel Jößnitz“
01.10.1998 Das „Schlosshotel Jößnitz“ wird verpachtet als Hotel und Restaurant
25.10.1998 Feierliche Eröffnung, anlässlich der Fertigstellung des Jößnitzer Schlosses
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